Wie mit den Inhalten der alten Website vor dem Relaunch umgegangen wird, hängt davon ab, ob sie in der neuen Website noch einen Platz haben. Bewährt hat sich folgendes Vorgehen: Zuerst werden die alten Inhalte in eine Liste exportiert. Dann wird für jeden Eintrag entschieden, ob er behalten, zusammengeführt, überarbeitet oder offline genommen wird. Erst danach wird festgelegt, welche Informationen in die neue Website übernommen werden. Im Folgenden wird das Vorgehen in drei Schritten erläutert: Bestandsaufnahme, Einteilungskriterien und Prüfung vor dem Go-live.
Zunächst den tatsächlichen Bestand der alten Website erfassen
Die Entscheidung über Behalten oder Entfernen sollte nicht aus dem Bauch heraus getroffen werden. Vor dem Relaunch wird eine Liste der alten Inhalte exportiert. Sie sollte mindestens enthalten: Seitentitel, Seiten-URL, Zugehörigkeit zur Rubrik, Inhaltstyp, letztes Aktualisierungsdatum sowie Angaben dazu, ob die Seite Formulare, Kontaktdaten, Downloads oder Produktparameter enthält. Der Export kann über Rubriklisten oder Inhaltslisten im Backend erfolgen, aber auch über Sitemaps oder Crawling-Tools. Das Ergebnis sollte jedoch manuell geprüft werden, damit keine Seiten übersehen werden, die nicht in der Navigation verlinkt sind.
Bei der Bestandsaufnahme werden die Inhalte in Kategorien eingeteilt: Produkt- und Leistungsbeschreibungen, Unternehmensinformationen (Profil, Qualifikationen, Kontaktdaten), News oder Meldungen, Fallstudien oder Projektvorstellungen, Hilfe und häufige Fragen, Karriere, Sonderseiten oder Aktionsseiten. Nach der Kategorisierung wird jede Gruppe einzeln bewertet. So lassen sich Doppelungen und Lücken leichter erkennen, als wenn alles gemeinsam betrachtet wird.
Welche Informationen für die neue Website geeignet sind
Als Entscheidungshilfe können drei Fragen dienen: Sind diese Inhalte heute noch korrekt? Gibt es in der Struktur der neuen Website einen passenden Platz dafür? Würden Nutzer in der neuen Website aktiv danach suchen? Wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet werden, sollten die Inhalte vorrangig behalten und migriert werden.

Häufig geeignete Inhaltstypen:
- Produkt- und Leistungsbeschreibungen, die noch verkauft oder angeboten werden. Parameter, Einsatzbereiche und Serviceabläufe müssen erneut geprüft werden.
- Grundlegende Unternehmensinformationen wie Profil, Kontaktdaten, Adresse und Qualifikationen. Bei der Migration sollten diese Angaben Punkt für Punkt bestätigt werden, damit geänderte Telefonnummern oder Adressen nicht in die neue Website übernommen werden.
- Langfristig gültige Hilfetexte, zum Beispiel häufige Fragen, Bedienungsanleitungen oder Abläufe für den Kundendienst. Sie sind nicht zeitgebunden, lassen sich mit geringem Aufwand migrieren und tragen zur Vollständigkeit der Rubriken in der neuen Website bei.
- Fallstudien oder Projektbeschreibungen mit weiterhin relevantem Informationswert. Wenn Kundennamen, Bildrechte oder Kooperationsdetails betroffen sind, sollte vor der Migration geprüft werden, ob eine weitere Veröffentlichung zulässig ist.
Mit Vorsicht zu behandeln sind: Aktionsseiten mit Jahresangabe, beendete Werbeaktionen, abgelaufene Preisangaben, temporäre Hinweise sowie Seiten mit sehr wenig Inhalt, die aber eine Rubrik belegen. Werden solche Inhalte unverändert übernommen, kann die neue Website schnell den Eindruck erwecken, längere Zeit nicht gepflegt worden zu sein.
Wie Behalten, Zusammenführen, Überarbeiten und Offline nehmen eingeteilt werden
Nach der Bestandsaufnahme erhält jeder alte Inhalt eine klare Entscheidung. Zwischenzustände sollten vermieden werden.
| Vorgehensweise | Geeignete Situation | Worauf bei der Migration zu achten ist |
|---|---|---|
| Behalten | Inhalte sind weiterhin korrekt, in der neuen Website gibt es eine passende Rubrik | Kontaktdaten, Preisangaben, Bilder und Anhänge im Text prüfen |
| Zusammenführen | Mehrere Inhalte behandeln dasselbe Thema, nur aus unterschiedlicher Perspektive oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten | Zu einem vollständigen Inhalt zusammenführen, damit in der neuen Website keine mehreren ähnlichen Seiten entstehen |
| Überarbeiten | Das Thema wird weiterhin benötigt, die Darstellung ist jedoch veraltet oder unstrukturiert | Gültige Informationen behalten, gemäß der neuen Rubrik neu strukturieren und das alte Layout nicht einfach kopieren |
| Offline nehmen | Abgelaufen, doppelt vorhanden, kein passender Platz, zu wenig Inhalt | Alte URL dokumentieren und nach dem Go-live bei Bedarf eine Weiterleitung oder einen Hinweis einrichten |

Die häufigste Fehlerquelle beim Zusammenführen und Offline nehmen sind nicht dokumentierte alte URLs. Es empfiehlt sich, in der Liste eine separate Spalte „Alte URL“ anzulegen und für jede zusammengeführte oder offline genommene Seite die Adresse klar zu notieren. Nach dem Go-live werden diese Adressen dann einheitlich geprüft.
Wie alte Links und alte Rubriken angebunden werden
Nachdem die Rubrikstruktur der neuen Website feststeht, werden die alten URLs den neuen Adressen einzeln zugeordnet. Wo eine Eins-zu-eins-Zuordnung möglich ist, wird eine Weiterleitung eingerichtet. Wenn es keine entsprechende Inhalte gibt, wird auf die nächstliegende Rubrikseite oder die Startseite weitergeleitet. Für Leistungen, die tatsächlich nicht mehr angeboten werden, kann eine Hinweisseite eingerichtet werden. Die Weiterleitungsbeziehungen sollten vor dem Go-live in einer Tabelle zusammengestellt und nach dem Go-live einzeln geprüft werden. Es reicht nicht, nur Startseite und Navigation zu kontrollieren.
Auch auf Rubrikenebene ist eine Prüfung sinnvoll: Gibt es für eine alte Rubrik in der neuen Website noch eine vergleichbare Rubrik? Wenn eine alte Rubrik in zwei neue Rubriken aufgeteilt wurde, auf welche Seite sollte die alte Rubrikseite verweisen? Wenn eine alte Rubrik zusammengeführt wurde, sind alle Inhalte darunter bereits zugeordnet? Werden diese Fragen vorab geklärt, sind Rückmeldungen wie „Beim Klick erscheint eine leere Seite“ nach dem Go-live deutlich seltener.
Vor dem Go-live der Reihe nach prüfen
Nach Abschluss der Inhaltsmigration ist eine Prüfung in der folgenden Reihenfolge effektiver, als Seiten zufällig anzuklicken:
- Die Navigation der neuen Website öffnen und sicherstellen, dass jede Rubrik Inhalte enthält und keine Rubrik leer ist.
- Behaltene und überarbeitete Inhalte stichprobenartig prüfen und Kontaktdaten, Produktparameter, Leistungsumfang sowie Bilder auf Vollständigkeit kontrollieren.
- Alte URLs einzeln öffnen und bestätigen, dass die Weiterleitungsziele korrekt sind und nicht auf unpassende Seiten führen.
- Prüfen, ob Formulare, Downloads und Online-Beratungszugänge funktionieren und ob Einsendungen empfangen werden.
- Kontrollieren, ob auf Seiten noch alte Website-Namen, alte Telefonnummern, alte Adressen oder Testtexte vorhanden sind.
- Die in der Liste als offline genommen markierten Seiten separat durchgehen und sicherstellen, dass sie nicht in Navigation und interner Suche erscheinen.

Bei begrenzten personellen Ressourcen sollten vorrangig Navigationsrubriken, Produkt- und Leistungsseiten, Kontaktseiten und Formularseiten geprüft werden. Diese Seiten entscheiden unmittelbar darüber, ob Nutzer Informationen finden und Kontakt aufnehmen können.
Auch nach dem Go-live eine Vergleichstabelle aufbewahren
Der Relaunch ist nicht das Ende der Inhaltsbearbeitung. Die Vergleichstabelle zwischen alten und neuen URLs, die Entscheidungen zur Inhaltsbehandlung, Verantwortlichkeiten und Prüfdatum sollten aufbewahrt werden. Sie sind später bei der Inhaltswartung, bei Änderungen in der Indexierung oder bei der Fehlersuche nach toten Links hilfreich. Die Tabelle kann in einem internen Dokument abgelegt werden und muss nicht auf der Website veröffentlicht werden.
Einfach gesagt: Für die neue Website geeignet sind die Inhalte der alten Website, die heute noch korrekt sind, in der neuen Struktur einen Platz haben und von Nutzern gesucht werden. Alle übrigen Inhalte werden zusammengeführt, überarbeitet oder nach Dokumentation der Adresse offline genommen. Wird diese Liste vor dem Go-live einmal vollständig durchgegangen, ist das deutlich einfacher, als nach dem Go-live nachzubessern.





