Produktbild-Retusche und Szenenkomposition werden oft gemeinsam genannt, sind jedoch zwei Arten der Nachbearbeitung mit sehr unterschiedlichem Arbeitsaufwand. Einfach erklärt: Bei der Retusche werden vorhandene Fotos bereinigt und optimiert, die Aufnahmeumgebung bleibt bestehen. Bei der Szenenkomposition wird das Produkt in eine neu erstellte oder zusammengesetzte Szene eingefügt, wobei Hintergrund, Licht und Umgebung oft neu geschaffen werden. Vor der Beauftragung sollte klar sein, um welche Art es sich handelt, damit Angebot und Liefererwartung übereinstimmen.
1. Unterschiedlicher Umfang der Änderungen
Die Produktbild-Retusche bearbeitet das, was bereits im Foto vorhanden ist. Typische Arbeiten sind das Entfernen von Staub, Kratzern, Fingerabdrücken und Halterungsspuren, die Korrektur von Farbstichen, das gezielte Abdunkeln oder Aufhellen von Bereichen, die Betonung von Materialien wie Metall, Glas oder Stoff sowie die Bereinigung der Produktkonturen. Der Hintergrund, die Lichtrichtung und der Produktwinkel bleiben weitgehend erhalten.
Die Szenenkomposition bearbeitet das, was im Foto nicht vorhanden ist. Neben der Retusche des Produkts selbst muss das Produkt freigestellt und in eine andere Szene eingefügt werden: sei es ein einfarbiger oder verlaufender Hintergrund, eine Materialoberfläche wie Holz, Stein oder Stoff oder eine aus mehreren Elementen zusammengesetzte Nutzungsszene. Dabei müssen Perspektive, Lichtrichtung von Produkt und Szene, Schatten und Spiegelungen sowie die Natürlichkeit der Kanten berücksichtigt werden. All dies sind neu erstellte Inhalte, keine reine Retusche.
2. Unterschiedliche Vorbereitung vor der Beauftragung
Für eine Retusche sollten Sie idealerweise Folgendes bereitstellen: Original- oder hochauflösende Produktfotos (keine komprimierten Chat-Screenshots), eine Beschreibung der konkret zu entfernenden Mängel sowie den Verwendungszweck und die Größe (z. B. E-Commerce-Hauptbild, Detailseite, Broschüre). Wenn die Auflösung nicht ausreicht oder das Foto unscharf ist, sind die Retuschemöglichkeiten begrenzt – dies sollte vorab geklärt werden.
Für eine Szenenkomposition benötigen Sie neben den Produktfotos auch eine klare Vorstellung von der Szene: einfarbiger Hintergrund, Materialoberfläche oder eine Nutzungsszene mit Personen oder Umgebung. Referenzbilder können die gewünschte Atmosphäre verdeutlichen, dienen aber nur der Kommunikation und bedeuten nicht, dass fremdes Material kopiert werden darf. Wenn Markenelemente, Verpackungen oder Text in der Szene erscheinen sollen, müssen die entsprechenden Dateien ebenfalls bereitgestellt werden. Die Komposition stellt Anforderungen an Aufnahmewinkel und Licht des Produktfotos. Bei ungewöhnlichen Winkeln oder einer Lichtrichtung, die mit der Zielszene kollidiert, steigt der Schwierigkeitsgrad deutlich.
3. Preisgestaltung basiert auf Variablen, nicht auf Festpreisen
Die Kostenunterschiede zwischen beiden Arten ergeben sich hauptsächlich aus dem Änderungsumfang und dem Beurteilungsaufwand, nicht aus einem einheitlichen Stückpreis. Die Retuschekosten hängen ab von: Anzahl der Produkte, Anzahl der zu bearbeitenden Mängel pro Bild, Materialschwierigkeit (Reflexionen, Transparenz, feine Texturen sind meist aufwendiger), Notwendigkeit einer einheitlichen Farbanpassung über mehrere Bilder sowie Liefergröße und -menge.
Bei der Szenenkomposition gibt es mehr Variablen: einfacher oder komplexer Hintergrund, ob Hintergrundmaterialien separat erstellt werden müssen, Komplexität des Freistellens (Haare, Transparenz, ausgefranste Kanten sind schwieriger), ob Licht und Schatten neu aufgebaut werden müssen, Anzahl der Produkte pro Szene, Anzahl der benötigten Szenenvarianten sowie Ausgabegröße und -format. Dasselbe Produkt in einer einfarbigen Komposition oder in einer Komposition mit Umgebungslicht und Schatten bedeutet einen völlig unterschiedlichen Arbeitsaufwand. Je klarer Verwendungszweck, Szenenrichtung, Anzahl und Größe bei der Beauftragung angegeben werden, desto vergleichbarer sind die Angebote.
4. Lieferergebnisse und Abnahmekriterien
Bei beiden Arten muss vorab geklärt werden, ob das fertige Bild oder eine bearbeitbare Arbeitsdatei mit Ebenen geliefert wird. Fertige Bilder (z. B. JPG, PNG) dienen der direkten Verwendung; bearbeitbare Dateien (z. B. PSD mit Ebenen) ermöglichen spätere Anpassungen. Ob diese bereitgestellt werden und ob dafür zusätzliche Kosten anfallen, sollte vor der Beauftragung vereinbart werden. Wenn externes Material verwendet wird, müssen auch die Nutzungsrechte geklärt werden, um spätere Einschränkungen zu vermeiden.
Bei der Abnahme von Retuschen prüfen Sie: ob Mängel wie vereinbart entfernt wurden, ob die Produktfarben dem Original entsprechen, ob die Kanten sauber sind, ob die Farbtöne über mehrere Bilder hinweg einheitlich sind und ob Ausgabegröße und -format dem Verwendungszweck entsprechen. Bei der Abnahme von Kompositionen prüfen Sie zusätzlich: ob die Perspektive von Produkt und Szene stimmig ist, ob die Lichtrichtung übereinstimmt, ob Schatten und Spiegelungen natürlich wirken, ob die Übergänge zwischen Produkt und Hintergrund hart wirken und ob die Szene der vereinbarten Richtung entspricht. Bei Druckverwendung müssen Farb- und Auflösungsanforderungen mit der Druckerei abgestimmt werden – die Beurteilung nur am Bildschirm reicht nicht aus.
5. Wie entscheide ich, welche Art ich brauche?
Wenn Sie mit Aufnahmewinkel, Licht und Hintergrund der vorhandenen Fotos zufrieden sind und nur Mängel oder Farbabweichungen korrigiert werden sollen, reicht eine Retusche aus. Wenn der Hintergrund unpassend, das Licht nicht ideal ist oder das Produkt in einer nicht existierenden Umgebung erscheinen soll, ist eine Szenenkomposition erforderlich. Es gibt auch Zwischenfälle: Beibehaltung des Hintergrunds mit teilweisem Austausch oder Anpassung der Atmosphäre – dies fällt unter Retusche mit lokaler Bearbeitung. Listen Sie bei der Beauftragung einfach die konkreten Änderungspunkte auf.
In jedem Fall gilt: Je klarer Sie vor der Beauftragung Verwendungszweck, Anzahl, Größe, Szenenrichtung, Bedarf an bearbeitbaren Dateien und Lizenzangaben angeben, desto weniger Zeit geht durch spätere Korrekturen verloren. Wenn Sie die Bildnachbearbeitung mit Grafikdesign kombinieren möchten, lesen Sie unsere Grafikdesign-Leistungen und klären Sie dann die oben genannten Variablen Punkt für Punkt.





